REZENSION: Alfred Wallon – Die Legende von Liver-Eating Johnston
Verlag Peter Hopf, Petershagen September 2014
gebunden mit SchU. - 364 S.
[= Hopf Premium] – ISBN: 978-3-86305-076-4 – 39,90 €
- Es gibt zudem eine Taschenbuchausgabe. -
Ein alter, gebrechlicher an einen Stuhl gefesselter alkoholabhängiger Mann erzählt seine Geschichte einem jungen Reporter – die Geschichte eines „tired old hero of a long forgotten past“ (Eric Bogle, modifiziert). Was hat er nicht alles erlebt: Kämpfe an der kalifornischen Küste, die Vigilanten der Alder Gulch, den Bürgerkrieg in Kansas, Abenteuer als Holzfäller am Missouri. Er war Whiskeyschmuggler an der kanadischen Grenze, Scout der US-Cavalry und Sheriff einer Grenzstadt.
Wallon erzählt in seinem Roman vom Leben eines Abenteurers, der bei Begebenheiten zugegen war, die zur Mythenbildung über den amerikanischen Westen beigetragen haben. Bewusst spricht er im Titel von einer Legende – die per definitionem viel Wahres enthält, aber nicht unbedingt völlig wahr sein muss. Denn trotz der gründlichen Recherchen, die man dem Roman anmerkt, könnte bei den Schilderungen evtl. einmal ein marginaler Fehler unterlaufen. Dies ist für einen Westernroman eigentlich unproblematisch, kommt es hier doch vor allem auf andere Aspekte an, wie z.B. eine spannend erzählte, in sich logische Handlung oder auch auf unterhaltende Momente. Hier kann Wallon überzeugen. Er verbindet die beiden Ebenen der Erzählung – die Gegenwart, in der Johnston seine Geschichten erzählt und die Vergangenheit in der diese Geschichten spielen, geschickt miteinander. Wallon zeichnet seinen Helden John Johnston mit viel Sympathie und verschweigt auch die dunkleren Seiten des Charakters nicht. Seine Nebenfiguren können nicht ganz so überzeugen. So ist Beidler in den Abschnitten über die Vigilanten in der Alder Gulch gegenüber Johnston die bestimmende Figur, während er später in den Holzfällerepisoden von Johnston dominiert wird – dies wirkt für mich leicht irritierend.
Wallon legt mit 'Die Legende von Liver-Eating Johnston' dennoch einen ambitionierten Western vor, der mir bei der Lektüre viel Freude gemacht hat. Ich kann den Roman jedem Westernfreund wärmstens empfehlen und freue mich, dass Autor und Verlag den Mut aufgebracht haben, einen guten Western in gediegener Ausstattung auf den Markt zu bringen.
(Karl Jürgen Roth)
